Die Segel von Saint Tropez

Elegant und glamourös: Wenn die teuersten Yachten vor der Côte d'Azur segeln, kommen Gäste in Scharen vor traumhafter Hafenkulisse

von Konrad Kubisch
Die Regatta "Les Voiles de Saint Tropez" an der Côte d'Azur ist mehr als nur der alljährliche Treffpunkt der schönsten und teuersten Yachten der Welt. Anfang Oktober ist der Ort mit dem heiligen Namen samt der azurblauen See für eine ganze Woche ein einziges Fest der Sinne. Eigner modernster Racer und Besitzer der vielleicht schönsten Klassiker des Mittelmeeres kommen zu den Wettfahrten mit dem klangvollen Namen "Die Segel von Saint Tropez". Sponsoren wie Prada, Wally oder BMW France sorgen für den glamourösen Rahmen inklusive exklusiver Trophäen für die Sieger.

Dabei wird in Saint Tropez nicht nur gezeigt, was man hat, sondern auch sportlich gesegelt. Und das in drei Hauptgruppen. In der Klasse "Epoque" starten Schiffe, die vor 1950 gebaut wurden. In der Gruppe "Classique" starten Yachten bis Baujahr 1975. Und im "Esprit de Tradition" messen sich die Neubauten.

 

les voiles de Saint-Tropez


Am zweiten Tag der diesjährigen Veranstaltung wehte es ungemütlich heftig aus Osten. Resultat: Fast alle Schiffe blieben im Hafen. Bei sechs Windstärken und mehr trauten sich nur die Crews einiger alter, besonders stark gebauter Ladys, ihr Tuch zu setzen. Als der Starkwind nachließ, fanden dann schließlich doch noch alle Teilnehmer ihr Regatta-Glück - und sorgten dafür, dass die schönen Yachten auch auf dem Wasser unter Segeln zu bewundern waren: Gleich vor der Hafenmole, für die segelfanatischen Franzosen und die Besucher des Festes sozusagen zum Anfassen nahe, segelten sie ihre Bahnen.

Seh-Leute an Land waren begeistert: Dieses Jahr gab es mit 320 Schiffen einen neuen Teilnehmerrekord - wobei sich gut das halbe Regattafeld aus klassischen Yachten zusammensetzte, deren Eleganz die Zuschauer besonders begeisterte.

 

les voiles de Saint-Tropez


"Noch nie wurden so viele Yachten restauriert wie in den vergangenen 15 Jahren", sagte Maguelonne Turcat, Sprecherin der Veranstaltung. Klassische, schlanke Linien berühmter Schiffsarchitekten, edle Baumaterialien - viel Mahagoni mit aufwendigen Kupferbeschlägen - vereinen einzigartige Werte, die nur noch von wenigen Enthusiasten mit genügend Geld finanziert werden können. Bei gerade 120 Liegeplätzen im Hafen hatten ausschließlich die schönsten der Schiffe einen Platz an der Pier im Herzen der Stadt erhalten. Schneeweiß uniformierte Crews polierten die seetüchtigen Kostbarkeiten und klarten riesige Flächen Segeltuch auf, als hätte der Verpackungskünstler Christo seine Hände im Spiel. Senkt sich die tief stehende Nachmittagssonne im Westen über den Hafen, schimmert ein goldgelbes Licht über die Schiffe, die 100 Jahre Segelgeschichte verkörpern, und weiter, bis hinüber zur mediterranen Hafenkulisse mit ihren Cafés.

Eine besondere Adresse direkt am Hafen ist das Hotel-Bistro "Sube". Hier treffen sich Schiffseigner und Crews im ersten Stock mit Blick auf den Hafen. Wie überall in der Szene diskutiert man über die kunstvolle Renovierung alter Ladys, deren Konstrukteure und die Segnungen moderner Technik. Und natürlich wird geklatscht: über Millionäre, die sich anonym Schiffe bauen oder Glücksfunde renovieren lassen.

So bot der Italiener Maurizio Gucci reichlich Gesprächsstoff: Er entdeckte die 24 Meter lange "Avel" nach einem Hinweis des englischen Yacht-Historikers ´ W. Collier im Flussschlamm des River Mercy in Südostengland, wo die Yacht fast 60 Jahre - als Hausboot verkannt - vor sich hingammelte. Der Gaffelkutter gehörte zu den ersten Entwürfen des später als Konstrukteur der J-Klasse-Yachten berühmt gewordenen Charles Nicholson. Ein weiteres Juwel, in diesem Jahr erstmals gezeigt, ist die hundert Jahre alte "Moonbeam III". Als 24,76 Meter lange Yawl 1903 vom schottischen Konstrukteur William Fife gezeichnet, ließ sie ein französischer Eigner später zum Gaffelkutter umriggen. Dass alte Ladys durchaus in der Lage sind, Langtörns zu bewältigen, zeigte die 30 Meter lange Gaffeketch "Kentra", die 1923 von William Fife konstruiert wurde. Mit der 80 Jahre alten Yacht segelte das schweizerische Eignerpaar Doris und Ernst Klaus zwei Jahre lang um die Welt.

Artikel erschienen am 12. Okt 2003 in "Welt am Sonntag"

 

 

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les voiles de Saint-Tropez pictures by christoph jobin




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