snowboardtour zum faulhorn, 11. märz 2005

Ich habe sie noch nie gezählt. Ich habe mich nur gerade gefragt, wie oft wir wohl im Winter auf die Windegg fahren... wenn wir dann oben ankommen, steht uns die Mittagswand und das Faulhorn gegenüber. Manchmal versteckt hinter Wolken oder dicken Schneeflocken, manchmal im dichten Nebel. Egal wie oft wir auf die Windegg fahren, jedesmal ist er da. Oft nehmen wir ihn gar nicht war, den Berg, und wenden uns der Abfahrt zu, kurven über die Pisten, durch den Wald oder über die Felder. Doch, so schön die frisch verschneiten Tiefschneehänge der Axalp auch sind, immer wieder lockt uns das Gebirge zur Rechten der Mittagswand und schon bei der nächsten Bergfahrt schweift unser Blick zum Faulhorn, den lieblichen Hügeln unter dem Schwabhorn, den einsamen Tiefschneehängen. Es ist wohl selbstverständlich, dass wir davon träumen, da unsere Schwünge zu ziehen...
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Am
11. März 2005 sollte es soweit sein. Früh am Morgen geht es los, mit dem
Auto nach Grindelwald. Sonnenschein, das Wetter scheint uns gut gesinnt.
Der Ort ist noch verschlafen. Parkieren ist noch kein Problem und so
sind wir ruck zuck auf dem Oberjoch. Es ist windiger und vor allem
kälter als erwartet, doch wir sind optimistisch und starten Richtung
Faulhorn. Traversieren ist angesagt. Die Oberschicht vom Schnee ist noch
gefroren von der kalten Nacht. Traversieren gar nicht so einfach. Bald
ist abschnallen angesagt. Auf dem Wanderweg geht es weiter. Der Wind
frischt auf. Schnee weht uns ins Gesicht. Mein Rucksack wird schon nach
einer halben Stunde erstaunlich schwer. Keuchen ist die Folge. Ich habe
keine Ahnung, um welche Zeit wir auf dem Faulhorn ankommen. Der Wind ist
inzwischen eisig kalt. Wir beeilen uns beim Anschnallen. Schnell wird
die Sonnenbrille gehen die Skibrille ausgetauscht. Schuhe enger
schnallen und ab... wir starten in das steile Couloir. Ziehen unsere Schwünge in den unberührten, jedoch stark verwehten Tiefschnee. Ich bin froh, dass jemand dabei ist, der sich hier auskennt. Stück für Stück, Kurve um Kurve fahren wir hintereinander her. Hinter uns das Faulhorn, ob uns der blaue Himmel, vor uns die weissen Schneehänge. "This is my planet and my planet rocks!" Doch stopp, was ist das? Lawinengefahr! Bereits der erste Riss. Weiterfahren wäre leichtsinnig. Der Blick zurück lässt mir den Atem stocken. Was, das soll ich wieder rauf? Ich schätze, dass es wohl Stunden dauern wird. Felle oder Schneeschuhe werden montiert, was im steilen Hang gar nicht so einfach ist. Wie erwartet erweist sich der Aufstieg als kein Spaziergang. Schnell ist das Keuchen wieder da. Der Schweiss rinnt. Wieder der eisige Wind im Gesicht. Triebschnee bläst über die Kuppe. Plötzlich kommen uns drei Jungs mit ihren Snowboards entgegen. Auch sie drehen um und gemeinsam klettern wir über die Felsen wieder nach oben. Einer hinter dem anderen, vorsichtig, um die losen Steine nicht zu lösen. Wieder auf der Krete ist es immer noch zu kalt für Champagner. Der Ausblick Richtung Bussalp lässt unsere Herzen wieder höher schlagen. Die Abfahrt entschädigt für den Aufstieg und auch für die Enttäuschung, nicht bis Iseltwald fahren zu können. Schwung um Schwung geht es talwärts, bis zur Bussalp. Dann, nach dem Picknick weiter nach Grindelwald. Zurück beim Auto bin ich hundemüde. Ein anstrengender, erfüllter Tag geht zu Ende. Unser Ziel haben wir nicht erreicht, trotzdem sind wir nicht gescheitert. Denn auch im nächsten Winter wird es so sein, dass wenn wir auf die Windegg fahren, uns das Faulhorn gegenüber stehen wird. Wir werden in die weisse Landschaft schauen und davon träumen oben zu stehen, runter zu schauen, und dann mit einem kleinen Ruck zu starten... Faulhorn, wir kommen wieder! Christoph |
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